Meine Lese-Challenge

Meine Lese-Challenge

Inhaltsverzeichnis

Mir kam die Idee eine kleine Lese-Challenge nur für mich zu gestalten. Ich wollte wissen, wie viel ich in meinem aktuellen überladenen Alltag lesen kann, wenn ich den Fokus darauf setze und wie ich mich damit fühle. Bin ich dizzy und überfordert mit der Romanhandlung? Entspanne ich mich? Bringt es mich voran? Tut es mir gut? Was macht es mit meinen Fernseh- und Gaming-Routinen? Vergesse ich darüber andere Alltagspflichten? Habe ich wirklich keine Zeit zum Lesen?

Das wollte ich alles gerne mal herausfinden und so habe ich mich ins Abenteuer gestürzt.

Welche Rahmenbedingungen habe ich für meine Lese-Challenge gesetzt?

Die Eckdaten der Challenge:

  1. Aufbau einer Leseroutine:
    Mir war nicht nur wichtig, herauszufinden, ob ich dreißig Tage lang Zeit zum Lesen finden und wie ich mich damit fühle. Ich wollte die Challenge nutzen, um eine Leseroutine aufzubauen, weil ich keine mehr hatte. Dies ist mir anfangs gut gelungen.
  2. Herausfinden wann und wie viel ich täglich lesen kann:
    Da ich mir ja immer sage, ich habe keine Zeit dazu, war es mir wichtig, zu Beginn der Challenge feste und lange Zeitfenster zu setzen und sie voll auszuschöpfen.
  3. Zeitfenster setzen und testen:
    Ich wusste, dass ich viele Bücher nicht lese, weil der Spannungsaufbau mich nicht in den ersten drei Seiten packt und ich mir einrede, ich hätte nur schwerlich Zeit auf langsameren Spannungsbogen zu warten. Also habe ich mich anfangs für ein Zeitfenster von wenigstens zwei Stunden täglich entschieden. Meine Güte, haben die sich anfangs lang angefühlt! Aber es wurde besser.
  4. Dokumentation in einem Lesetagebuch:
    Zur festen Einhaltung der Challenge und zum Festhalten der unterschiedlichen spontanen Eindrücke.
  5. So viele Bücher wie möglich lesen:
    Es gab Zeiten, in denen ich mehrere Bücher pro Monat gelesen habe und mich hat interessiert, wie viel ich schaffe, wenn ich mein altes Lese-Zeitfenster wieder aufbaue. Das waren damals etwa zwei bis drei Stunden am Tag (früher musste ich viel Bahn fahren.)
  6. Wenigstens einen vollständigen Lesetag durchziehen:
    Einen ganzen Tag in Buchwelten verbringen – kann ich die Zeit aufbringen?

Ausnahmen bestätigen die Regel

Bevor wir nun in die Durchführung und Auswertung starten, muss ich vorweg zwei Dinge sagen:

1. Während meines Challenge-Monats habe ich nebenher mein Romantasy-Märchen-Projekt geschrieben und bin im dritten Akt gelandet. Auf der Zielgeraden des Romans fühle ich mich oft gezwungen, alles bisher Geschriebene noch einmal zu lesen und dann sozusagen mit Anlauf bis zum Schluss durchzuschreiben. Gerade, wenn das Schreiben des Romans so eine Staufahrt, wie bei diesem war – drei Tage schreiben, sechs Tage nicht, dann einen ganzen Tag, dann wieder vier gar nicht, dann eine Woche jeden Tag ein wenig und dann wieder fünf Tage gar nicht… Es war ein wenig frustrierend, weil meine Alltags-Prioritäten mich ständig aus dem Rhythmus gerissen haben und ich dadurch den Faden verloren hatte, und mir immer wieder Zeit nehmen musste, mich einzulesen, um den Faden wieder aufzunehmen. Manchmal ist das Schreiben mit dem Leben so.

2. Es waren Herbstferien bei uns. Ferienzeit ist immer eine Zeit, die bei uns alle bestehenden Routinen aushebelt und die Familienzeit in den Vordergrund stellt. Ich kann vorher nie genau sagen, ob ich genügend Freiraum für meine eigenen Projekte finde, weil mein Mann und ich spontan auch viele andere Dinge angehen, die wir schon länger auf dem Zettel haben. So war es auch dieses Mal, trotzdem konnte ich mir ein paar Stunden für das Lesen freihalten. Zwar nicht täglich, aber fast und ich musste hinnehmen, dass sie vorübergehend nicht mehr ganz der Routine entsprachen, die ich zuvor entwickelt hatte.

Zurück zum Thema.

Romanübersicht für die Lese-Challenge im Oktober

Ich habe bewusst Romane aus unterschiedlichen Genres gewählt. Vermutlich hätte ich viel mehr gelesen, wenn ich nur in meinen bevorzugten Genres gelesen hatte. Aber das wollte ich hier nicht. Es gab eine Mischung. Ich habe Romane rausgesucht, die ich schon lange auf dem SUB liegen hatte, alte Werke, gerade veröffentlichte und später kamen noch spontan Ratgeber dazu.

Bücher, die ich vollständig gelesen habe:

Penelope Ward: The House Guest
Brooke Skies: Der Mitternachtsleser (kurz)
Brooke Skies: Die Buchhandlung
Brooke Skies: Tigers Geschichte
Jonathan Stroud: Bartimäus Crouch Teil 1
Terry Brooks: Shannara – das Schwert von Shannara 

Bücher, die ich im Oktober begonnen, aber nicht beendet habe (in Klammern der Stand in Prozent am Ende der Challenge):

Simone Harlan: Show don’t tell (27%)
Leslie Bishop: Amazon KDP Selfpublishing Advertising (30%)
Vera Griebert-Schröder und Franziska Muri: Die Rauhnächte als Quelle der Ruhe und Kraft (28%)

Die Leseroutine ist großartig. Ich bin so froh darüber, dass ich sie in mein Leben integriert habe. Es macht mich glücklich zu lesen. Die Worte, der Satzbau, die feinfühlig aneinandergesetzten Begriffen – ich liebe es so! Die Geschichten, die entstehen, das Kopfkino, die Informationen… Mein Sohn und ich sitzen nachmittags zusammen im Wohnzimmer. Er macht seine Hausaufgaben und widmet sich anschließend seinen Lesegewohnheiten bis zur Spielzeit. Ich lese durchweg zwei Stunden. Es ist still, die Seiten rascheln beim Umblättern, draußen segeln die gelben Blätter zu Boden und der Regen prasselt gegen das Fenster. Der Kater breitet sich zufrieden blinzelnd auf dem Sofa aus und die Hündin liegt ruhig atmend in ihrem Bett unter der Treppe und schläft.

Die Wirkung der Romane auf mich

Die Bücher von Brooke Skies habe ich in einem Rutsch weg gelesen. Das war einfach, es war Cozy Romance und ich liebe das Genre. Mich hat der Schreibstil mitgenommen und ich bin völlig abgetaucht.

Ein wenig mehr Mühe, wenn man es so bezeichnen will, hatte ich mit Bartimäus und Shannara. Die Romane sind älter, insbesondere „Das Schwert von Shannara“ ist bereits in den siebziger Jahren geschrieben worden und damals war der Schreibstil einfach völlig anders. Man schrieb sich nicht von Kapitel zu Kapitel von Cliffhänger zu Cliffhänger. Die Beschreibungen sind detailliert und manchmal geht es seitenweise nur um die Landschaft. Das Konstruieren von Cliffhängern schien einfach überhaupt kein Thema zu sein. Der Stil erinnerte mich sehr an Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Erst zum Ende hin, baute sich mehr Spannung auf, aber verglichen mit heutigen Fantasy-Romanen war auch Shannaras Endspurt noch sehr gemächlich gestaltet. Insofern würde ich fast behaupten, man kann alte Fantasyromane nicht so wirklich mit den Neuen vergleichen. Bartimäus Crouch ging ebenfalls ein wenig in die Richtung. War aber gleichwohl ein tolles Buch.

Trotzdem haben mir im Nachhinein gerade diese langsameren Handlungsverläufe mir sehr gefallen. Ich bin beim Lesen ruhig geworden, konnte mich entspannen. Mein Alltag hat sich entschleunigt, ich konnte mich zurücklehnen und in Ruhe genießen wie einfache Wörter eine komplexe Handlung und lebhafte Bilder in mir aufleben ließen. Es war eine schöne Erfahrung und ich bin durchaus gewillt auch andere Romane dieser Autoren zu lesen.

Schwierigkeiten hatte ich mit „The House Guest“. Der Roman gehört in die Kategorie Contemporary Romance. Ich habe es zu Recherchezwecken gelesen und werde vermutlich auch noch ein oder zwei weitere Titel aus dem Genre lesen. Allerdings hat mich die Handlung zu sehr mitgenommen. Viel zu viele reale Entscheidungen, die viel zu viele Menschen verletzten. Protagonisten, die unter ihrer gegenseitigen Zuneigung litten… Viel zu viel emotionaler Input und viel zu viel Schuld.

Einen Monat lang jeden Tag zwei Stunden lang lesen. Wie würde es dir damit gehen?

Ich konnte mich schwer von dem Inhalt distanzieren und war nach dem Lesen jedes Mal sehr aufgewühlt. Insgesamt hat dieses Buch vier Tage gebraucht, um gelesen zu werden. Trotzdem war es gut geschrieben und das Happy End war wunderschön, ich fand sogar, dass es sich gelohnt hat, an diesen Punkt zu kommen. Aber so gibt es eben unterschiedliche Vorlieben und es ist gut, dass so viele Autoren, so viele Themen abdecken können.

Die Lektüre des Romans hat meinen Horizont schlussendlich erweitert und ich bin froh, ihn gelesen zu haben.

Welche Erkenntnisse hatte die Lese-Challenge in Bezug auf das Lesen an sich?

Die Lese-Challenge aus dem Oktober hat mir vor Augen geführt, dass ich, glaube ich, über das Schreiben das Wichtigste am Lesen völlig vergessen habe:

Ich bin lange Zeit nur noch fixiert auf guten Stil, funktionierende Plots und herausragende Ideen gewesen. In meiner Challenge habe ich erst gemerkt, dass es beim Lesen vor allem auf das Lesen an sich ankommt. Auf das Aufnehmen von Wörtern und das Verinnerlichen komplexer Ideen, über das Verlieren in den Seiten. Und dafür braucht es nicht immer Bestseller. Auch einfach geschriebene Romane, von kleinen Selfpublishern oder Bücher mit einer sich langsam entwickelnden Handlung können die Zeiträume, die ich für meine Entspannung vorsehe, gut füllen.

Nicht jedes Buch muss mich und mein Weltbild völlig aus den Angeln heben, um mir im Gedächtnis zu bleiben. Unterschiedliche emotionale Stimmungen erfordern auch unterschiedliche Romanhandlungen. Wenn mir sehr langweilig ist, ist ein actiongeladenes Buch sehr willkommen und in Phasen, in denen mein Alltag so hektisch ist, dass mein Herz rast, ist ein ruhiger netter Cozy Romance genau der Wellness-Urlaub für meine aufgewühlte Stimmung, den ich gerade brauche. Dadurch war es ganz gut, dass ich zeitweilig drei bis fünf Romane offen hatte und meinen Bedürfnissen nachgeben konnte.

Intensives Romanlesen löste bei mir ein unerwartetes Bedürfnis aus

Zwischen all den Romanseiten, die ich gelesen habe, überkam mich ganz unverhofft das Bedürfnis nach handfestem Wissen und Lebensimpulsen. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber es erklärt, die drei begonnenen Ratgeber. Zusätzlich zu denen, die ich während der Challenge begonnen hatte (Oktober 2025), hatte ich auch noch drei angefangene Ratgeber in der Kindle-App, in die ich auch noch hin und wieder die Nase gehalten hatte. Allerdings habe ich bei diesen den Lesefortschritt nicht dokumentiert. Es waren jeweils nur ein paar Seiten.

Habe ich genug Zeit zum Lesen gefunden?

Abschließend kann ich sagen, die Zeit war in jedem Fall da. Auch wenn ich den ganzen Tag gearbeitet habe oder Familienzeit angesagt war. Einzig die Phase, in der ich das Romanprojekt fertig geschrieben habe, hat mich vom Lesen abgehalten. Obwohl das jetzt auch nicht so ganz stimmt, denn ich habe ja in dieser Zeit achtzigtausend Wörter gelesen (was so 300 bis 400 Seiten eines Taschenbuchs wären). Nur war es mein eigener unfertiger Roman.

Manchmal war es jedoch tatsächlich so, dass keine Ruhe zu finden war. Und auch im Wartebereich eines Krankenhauses ist es nicht immer möglich, den Fokus auf einen Roman zu setzen. Aber die Challenge war es Wert hier mal genauer nachzusehen, was möglich ist, und ich werde meine neue Leseroutine nach den Herbstferien weiter beibehalten.

Lesetagebuch

Was jedoch gar nicht funktioniert hat, war das Führen eines Lesetagebuchs. Ich hatte mir extra einen kleinen Kalender dafür angeschafft und mir vorgenommen meine Eindrücke über das Lesen stichpunktartig festzuhalten und die Challenge so zu dokumentieren.

Die ersten Tage hatte ich noch Notizen gesammelt, doch dann habe ich den Kalender ganz vergessen. Die Challenge stand im Vordergrund. Also zum aktuellen Zeitpunkt ist ein solches Tagebuch für mich nicht relevant, würde ich sagen.

Unter diesem Link findest du eine Anleitung, wie ich beim Setzen von Challenges vorgehe, falls du dich inspiriert fühlst und dir auch eine Lese-Routine aufbauen möchtest.

Wer schreibt hier?

Illa Sabin

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