Über das Bloghexenforum habe ich die Blogparade „Ich schreibe (ein Buch), weil…“ von Stephanie von Kleiner Komet gefunden. Das Thema hat mir gefallen und es passt wunderbar zu meinem Blog, so dass ich glattweg einen eigenen Artikel dazu verfasst habe. Hüpf schnell rüber zu Stephanie und lies dir die anderen Artikel zum Thema durch!
Was bedeutet es für dich Autor*in/ Schriftsteller*in zu sein?
Wir fangen mit der Klischeeantwort an: Das ist für mich ein wahrgewordener Traum. 🧡 Auch wenn es abgedroschen klingt, zum Schreiben hat es mich immer hingezogen. Von Büchern war ich immer berührt. Gleichzeitig hat es mich fasziniert, dass Menschen es schafften Wort für Wort, zu dicken Wälzern werden und Welten in meiner geistigen Welt entstehen zu lassen, in denen ich mich lieber aufhielt als in meiner Realität. Lange Zeit habe ich nicht mal mit dem Gedanken gespielt zu versuchen Autorin zu werden, weil mein Respekt vor meinen Lieblingsbüchern, vor der Schöpferkraft, die dahintersteckte, zu groß war. Aber irgendwann hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ich meine: Schließlich sind Autoren auch nur Menschen. Es muss machbar sein, sonst würde es ja keine Bücher geben. Zwar hat es lange gedauert, bis ich zusammenhängende Texte schreiben konnte, die einen Sinn ergaben. Bis ich diesen Sinn auch über mehrere Seiten halten und einen Handlungsbogen bilden konnte, aber mit genug Geduld und Hartnäckigkeit habe ich mich meinem Ziel angenähert. Darum bin ich sehr stolz, auf das, was ich erreicht habe. Wenngleich ich auch noch lange nicht so weit bin, dass ich denke, ich sei eine gute Autorin, geschweige denn, dass ich davon leben könnte.
Wie fühlt es sich für dich an, an deinem Buch zu schreiben, und wie geht es dir ohne?
Außenstehende denken oft, dass Autoren die Macht haben in ihren Geschichten alles geschehen zu lassen. Vielleicht gibt es Autoren, die die Handlung bis ins kleinste Detail kontrollieren können. Ich habe dagegen oft das Gefühl, dass das, was ich schreiben will, sehr stark von den sich bildenden Charakteren abhängt. Sie entwickeln ihre Persönlichkeit und auf einmal passt der geplante Handlungsverlauf nicht mehr. Passe ich dann den Plot an oder den Charakter? Eine Gratwanderung. Es kommt drauf an, ob es sich gut oder schlecht anfühlt. Was wirkt stimmig? In wieweit entspricht es realen Erfahrungen? Wie weit gehen wir in die Fiktion hinein? Hab ich für die Fiktion genügend Grundlagen? Was kenne ich? Was kann ich mir vorstellen?
Und dann wird es wild: Das Schreiben verlässt die Grenzen des Bekannten und entdeckt Ideen, die vorher noch nicht gedacht wurden.
Schreiben ist einerseits ein langes Erzählen, andererseits ein tiefes Verstehen.
Wenn ich nicht schreibe, fehlt mir meist etwas. Allerdings bin ich im Moment in einer Phase, in der ich nicht gerne kurze Textpassagen schreibe. Wenn ich dann nicht die Zeit habe, genug zu schreiben, fühlt es sich nicht zufriedenstellend an. Darum ist es mir inzwischen lieber, an Tagen, an denen ich ohnehin nicht genug Zeit aufbringen kann, nicht zu schreiben und zu warten, bis ich wieder mehr als eintausend Wörter zusammen bekomme. Im Moment möchte ich viel im sich bildenden Text erfahren: Welche Situation steht an? Wie bilde ich sie? Was sollten die Charaktere an dieser Stelle tun? Was gebe ich dem Leser bis hierhin?
Es ist eine Phase. Vermutlich wird sie auch wieder vergehen oder von einer anderen abgelöst werden.
Welche Ziele verfolgst du mit dem fertigen Text?
Alle Manuskripte, die ich schreibe, hoffe ich in der Zukunft lektorieren lassen und anschließend veröffentlichen zu können. Ich wünsche mir, dass Leser sich in meinen Geschichten wohlfühlen und ein paar angenehme Stunden mit ihnen verbringen können.
Für wen schreibst du?
Ich habe mir einen Lese-Avatar erstellt, der mir natürlich sehr ähnelt, aber vermutlich einige andere Frauen in meiner Lebenssituation ebenfalls berührt: Mütter, die wenig Zeit für sich selbst haben und in den wenigen Freizeitstunden, die sich ergeben kurz in unkomplizierten Geschichten versinken wollen, die trotzdem aufwändig und spannend genug sind, um ihnen den Alltag zu erfreuen.
Mein Buch ist fertig, wenn …
… ich dieses besondere Gefühl habe, alles gesagt zu haben und alle Enden aufgegriffen und zu einem logischen Ende geführt habe. (Wenn es um mehrteilige Bücher geht, bezieht sich die Aussage natürlich nur auf die losen Fäden, die für den Abschluss des einen Romans wichtig ist.) Mich überkommt eine innere Zufriedenheit und ich weiß: Das ist es. Jedes Wort mehr ist ab jetzt überflüssig. Es ist ein leises zuversichtliches Gefühl, das alle Gedanken zu dem Projekt abschließt.
Wenn mein Buch fertig ist …
… lehne ich mich zurück und freue mich! Ich weiß, ich habe es wieder hinter mich gebracht und ich bin stolz auf mich. Mich erfasst eine tiefe Zufriedenheit, weil ich mit dem Großteil des Textes zufrieden bin, sonst wäre ich nicht hierher gekommen.
Aber teilweise bin ich auch traurig: Der Text ist fertig, die Geschichte ist durch. Die Charaktere begleiten mich jetzt erst einmal nicht mehr. Einige von ihnen vermisse ich.
Und dann … wird der Text für mehrere Wochen liegen gelassen. Eine stille Vorfreude in mir weiß: Ich treffe bald alle Charaktere wieder und kann meine Geschichte nochmal lesen. Dabei wandern erste Veränderungen in den Text und ich prüfe, ob mir der zeitliche Verlauf aller Handlungen so gefällt. Passagen, die sich unstimmig anfühlen, lasse ich erstmal so und nehme sie geistig mit, um über sie nachzudenken. Nach dieser Runde lasse ich wieder etwas Zeit verstreichen und dann nehme ich die richtige Überarbeitung in mehreren Runden vor. Danach bekommen meine Testleser meinen Roman. Sobald alle Testleser durch sind und ich das Feedback bekommen habe, steht die Einarbeitung der Testleserkritik an. Der Text ruht anschließend wieder eine Weile, bis ich ihn noch ein letztes Mal vor dem Lektorat durchgehe.
Tja und dann folgt das Lektorat. Ich komme also wieder und wieder zurück in meine Geschichte.
Und zwischen all diesen Phasen arbeite ich an weiteren wunderbaren Geschichten. Ich habe immer ein Manuskript offen, in dem eine neue Rohfassung entsteht. Weil ich schöne Geschichten erfahren und schreibend erkunden will.
Geht es überhaupt darum fertig zu werden, oder mehr um das Schreiben selbst?
Früher ging es nur um das Schreiben selbst. Doch dann war ich lange Zeit nicht in der Lage, einen Handlungsbogen aufzubauen, geschweige denn ihn zu beenden. Das war für mich sehr frustrierend. Deshalb ging es tatsächlich eine lange Zeit nur darum fertig zu werden. Ich war sehr versteift darauf, diese Erfahrung zu machen, denn ich wollte sie unbedingt immer wieder wiederholen, um diesen Lernprozess hinter mich bringen zu können.
Inzwischen ist es so, dass die Handlung mich, wenn ich sie am Anfang gut aufbaue und einen funktionierenden Plan habe, wie sie vorangehen soll, wie ein guter Film regelrecht durch bis ans Ende zieht. Ich genieße jeden Moment davon.
Wenn es keine Bücher gäbe, was würdest du stattdessen tun?
Da fällt mir nichts ein. Aber zum Glück muss ich nicht darüber nachdenken, denn es gibt sie ja. Ein ganzes Meer voller Geschichten, die ich lesen oder mir selber ausdenken kann.
Aber wenn ich die Frage doch länger in meinem Kopf hin und her schiebe, würde ich vermutlich malen. Und Häkeln. Vielleicht Klavierspielen und Singen.
Wenn ich die Zeit hätte, würde ich …
… lauter kleine Trailer zu meinen Büchern drehen. Ich habe das im Sommer für Instagram gemacht, und ich habe daran wirklich große Freude gehabt. Aber es ist ein sehr zeitaufreibendes Unterfangen und darum mache ich es nicht mehr. Das wäre eine Sache für dich ich wirklich nochmal Zeit aufbringen wollen würde, es aber vermutlich nicht schaffe.
Wer sind deine Vorbilder, wenn es darum geht ein Buch zu schreiben und was möchtest du dir von ihnen abschauen?
Ich glaube, im Moment sind es Elvira Zeissler und Marah Woolf, weil sie im Romantasy so groß geworden sind. Was den Schreibstil und das Genre angeht, haben es mir momentan Heather Fawcett und Sangu Mandanna sehr angetan.
Kerstin Gier hat mich auch eine Weile begleitet. Und mein ganz großer Held ist Tolkien – nicht zu vergessen Terry Pratchett, mit seinem wunderbaren Humor. Es gibt so viele Autoren, auch Kleinere, die ich kennen und bewundern gelernt habe und es fällt mir schwer eine Auswahl zu treffen.
Was hilft dir dabei, dran zu bleiben?
Es gehört einfach dazu. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, ein Tag ohne Schreiben ist ein verlorener Tag. Aber auf jeden Fall fühlt es sich merkwürdig an, wenn ich nicht jeden Tag schreibe. Allerdings passiert es selten.
Wenn ich nicht an Romanen schreibe, schreibe ich Blogartikel oder Social-Media Posts. Also schreibe ich schon fast täglich irgendetwas. Lange Zeit war mein Trick früh morgens gleich als Erstes an den Rechner zu gehen und zu schreiben. Es gab einige Coworkings auf Twitch, die dabei sehr hilfreich waren. Viele der schreibenden oder coworkenden Streamer, bei denen ich oft im Chat war, sind heute nicht mehr aktiv. Aber die paar, bei denen ich heute noch gern dabei bin sind diese (ich gebe dir beide Links, den Twitchkanal und ihre Website):
- Kuddelzwerg auf twitch aka Ann-Kathrin Karschnick – Kuddel (aka Ann-Kathrin) streamte lange Zeit montags bis freitags vormittags und hatte einen Chat voll mit Coworkern. Heute streamt sie noch dienstags, donnerstags und freitags vormittags Coworkings. Sie ist erfolgreiche Autorin und veröffentlicht klassich über Verlage und auch im Selfpublishing.
- Außerdem bin ich gern bei Mist of Ink aka Anna Lisa Franzke. Anna Lisa ist Lektorin, Autorin und Buchhändlerin und streamt mehrmals die Woche. Ihre Website findest du hier.
- Bei mockin_bird aka Luiza gibt es ebenfalls Coworkings am Vormittag und oft auch Gaming. Luiza ist Contentcreatorin und du findest sie hier.
Inzwischen sitze ich immer am Schreibtisch, wenn es zeitlich passt, die Zeit dafür finde ich jeden Tag. Und wenn ich merke, ich fange an zu prokrastinieren, erinnere ich mich daran, dass ich es schon so oft geschrieben habe, und mein Kopf schon so oft einen Weg gefunden hat Probleme zu lösen und Wege zu finden, wie ich vorankomme. Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann. Im nächsten Moment kommen dann meist schon die ersten Wörter und wenn die erstmal da sind, dann geht es von selber weiter.
Welchen Hindernissen begegnest du beim Schreiben?
Ich bin oft zu schnell. In meiner Ausbildung habe ich das Zehn-Finger-Schreiben gelernt. Damals war es noch wichtig, schnell schreiben zu können. Das habe ich bis heute nicht verlernt. Aus Gewohnheit ratter ich die Gedanken, die mir als erstes kommen, direkt ins Dokument und denke mir hinter oft: Es wäre vielleicht schöner gewesen, wenn ich länger drüber nachgedacht hätte. Aber gut, das ist mein Workflow und der hat mich bis hierher gebracht. Trotzdem veröffentliche ich aufs Jahr gesehen bisher immer nur einen Roman. Meine Überarbeitungsphasen sind lang, denn ich habe oft sehr lange Textpassagen zu ändern oder ganz neu zu schreiben.
Ich bin so ein Mittelding zwischen Plotter und Pantser. Zwar schreibe ich viel intuitiv, aber ich habe auch gemerkt, dass ein gewisses Grundgerüst da sein muss, damit ich überhaupt pantsen kann. Je besser ich die Charaktere bereits kenne, umso weniger Plot brauche ich. Je weniger ich sie kenne, umso mehr Details muss ich zuvor für die Handlung festlegen.
Oft habe ich Probleme, das Ende zu schreiben. Meist liegt es daran, dass ich im Anfang ungenau war. Dann muss ich zurückgehen und das Problem beheben. Vor allem in meinen Fantasygeschichten habe ich Schwierigkeiten mit dem Ende. Oder damit wie man Flüche auflöst. Oder damit wie man einen übermächtigen Gegner zu Fall bringt. Dinge, die man in der Realität eben nicht ständig so macht … Darum ruhen meine Fantasygeschichten auch alle noch unveröffentlicht auf der Festplatte.
Und wenn ich vor dem Dokument sitze und so gar keine Idee kommt? Dann habe ich mich nicht tief genug hinein gedacht und kenne die Materie nicht, mit der ich mich beschäftigen will. Aber das kann ich ändern, indem ich diesen Schritt nachhole und mir die Richtigen fragen stelle: Was mache ich hier? Warum will ich das schreiben? Welcher Charakter muss diese Erfahrung machen? Wo muss dieser Charakter zu Beginn der Handlung sein, um diese Erfahrung zu machen? …
Inwiefern könnte ein eigenes Buch Teil einer Marketingstrategie sein?
In Form von Marketing können Bücher hilfreich sein, wenn man Wissen, vor allem in Form von Coachings oder Kursen verkaufen möchte. Man sagt jedoch auch unter Schriftstellern „die beste Werbung ist das nächste Buch“. Damit steht im Prinzip jedes Buch eines Autors als Marketing-Instrument für alle anderen Bücher. Entweder in dem Fall, in dem ein Leser zum ersten Mall mit den Romanen eines Autors in Kontakt kommt und nach einem positiven Lese-Erlebnis weitere Bücher erwirbt. Oder in dem er Stammleser, durch fortlaufende Publikation von Büchern in gleichbleibend guter Qualität, bei sich behält.
Es kann also beides sein: Die Erweiterung eines breiten Angebotes oder ein Angebot, das in die Tiefe geht.
Ja, der Artikel war lang. Wie es dann eben immer ist, wenn Fragen über Leidenschaften gestellt werden. 😅 🧡 Ist Schreiben auch deine Leidenschaft?





