Autorinnenalltag: Edition Plotten

Die vergangenen zwei Wochen waren schreibtechnisch so richtig mies. Anstatt an meinem Scheibziel von wenigstens dreißigtausend Wörtern für diesen Monat zu arbeiten, stagnierte hier alles.
Der Grund? Ich habe mich versehentlich in einen Academy-Trope hinein geschrieben. (In diesem Trope findet die Handlung in einer (Magier-)Schule statt) Uff. Es ist nicht so, dass ich Academy-Tropes generell nicht mag, aber es gibt sie schon echt oft und ich wollte es eigentlich vermeiden. Mir kamen jedoch gar keine anderen Einfälle und ich merkte, ich müsste mir mal Zeit nehmen, die Charaktere, ihre Absichten und die Kulisse genauer kennenzulernen.

Eigentlich wollte ich heute einen weiteren 10-K-Day durchziehen, aber wenn kein Plan, dann keine Wörter. Zumindest meist bei mir. Eine grobe Handlungsstruktur brauche ich in jedem Fall und ich muss mich in meine Charaktere fühlen können. Ein kleines Gefühl hatte ich mit meinem ersten Start. Vor Wochen hatte ich die Geschichte begonnen und die Interaktion meiner Protagonisten fühlte sich sehr gut an. Aber mir fehlte alles drum herum, darum wollte ich unbedingt in der Zeit zurückgehen und alles genauer erforschen. Tja, und dann kam das Academy-Desaster.

Während ich mich in die Magierschule hinein schrieb, ging mir das Gefühl für die Protagonisten, das ich anfangs hatte, völlig verloren. Das brauche ich unbedingt wieder. Also bleibt mir heute keine andere Wahl. Dieser Autorinnenalltag ist dem Plot des zweiten Märchenprojektes gewidmet. (Einen schickeren Arbeitstitel hab ich noch nicht. Tut mir leid.)

Was bedeutet plotten?

Das Wort Plot kommt aus dem Englischen und steht für alles, was eine Geschichte braucht, um zu funktionieren. Er ist das Gerüst für die Handlung. Man legt fest, welche Charaktere, wann zusammen kommen, und was sie erleben. Nicht jeder Autor braucht einen Plot. Autoren, die nicht plotten werden Pantser genannt. Sie können einfach drauf losschreiben und die Handlung im Verlauf des ersten Entwurfs entwickeln. Wenn ich mich genug in eine Geschichte und ihre Charaktere hinein gedacht habe, brauche ich ihn auch nicht. Das ist bei mir aber selten der Fall. Meist brauche ich wenigstens einen groben Plot. Hier hatte ich sogar ich das Gefühl, ich müsste sehr tief ins Detail gehen.

Mein Autorinnenalltag: Edition Plotten

Gegen 7 Uhr: Den neuen Erguss, den ich gestern geschrieben hatte, habe ich meinem Mann vorgelesen. Es war das erste Mal seit Beginn des Monats, dass ich überhaupt an einer Geschichte geschrieben hatte. Er fand es okay. Ich habe die Anfangsszene gelassen und an dem Punkt, an dem sie in die Akademie gegangen wären, habe ich sie in eine andere Richtung geschickt. Also erstmal stehen lassen. Daraufhin habe ich mich entschieden, das Beatsheet vom alten Märchenprojekt heraus zukramen und den heutigen Autorrinnenalltag als Plottag zu nutzen.

Gegen 9 Uhr: Das alte Beatsheet ist kopiert, die alten Notizen sind rausgeworfen und ein Blanko-Sheet ist erstellt. Dieses habe ich als Vorlage in Papyrus für zukünftige Nutzungen gespeichert. Daraufhin habe ich gleich mit dem Plotten losgelegt.

Gegen 10 Uhr: Es ging runter zum Frühstück – mit einem leeren Schmierzettel. Denn mir fehlen noch lauter Namen für Personen und Orte. Brainstormen ist mit mehreren Personen manchmal effektiver, vor allem wenn man an nur einem Tag so weit wie möglich kommen will.

Gegen 13 Uhr: Während Frühstück und spontanem Familienausflug zum Einkaufen, weil wir beim Wocheneinkauf einige Dinge vergessen hatten (unter anderem Meisenknödel und das tat mir sehr für die Vögel leid), haben wir alle Namen gefunden. Am Anfang dauerte es eine Weile, bis sich sämtliche Familienmitglieder darauf einlassen konnten, doch nachdem wir dann endlich alle Namen von Pokemon und anderen unzähligen Charakteren aus der kunterbunten Anime-Welt aussortiert hatten, fielen einige Ideen, mit denen wir arbeiten konnten. Und alle hatten ihren Spaß dabei. Danach folgte noch ein kurzer Haushaltstörn (saugen und Wäsche machen geht irgendwie immer) und anschließend war ich endlich wieder am Schreibtisch.

Namen für Figuren und Orte zu haben, beflügelt mich beim Schreiben. Mit den Namen kann ich die Orte und Menschen endlich vor meinem geistigen Auge sehen und beschreiben. Sie entwickeln Charme, Marotten, Leidenschaften und Hass. Es fühlt sich unheimlich gut an, jetzt weiterzumachen. Nun gibt es etliche Nebencharaktere mit klangvollen Namen, Zwecken und leidenschaftlichen Zielen. Sehr schön. Ein kleines Worldbuilding ist auch entstanden und wir haben die Magierschule hinter uns gelassen und ein neues Setting entwickelt, dass mir viel besser gefällt. Und das, obwohl wir endlich einen Namen für die Schule gefunden haben. Na gut, brauchen werden wir ihn trotzdem.

Gegen 14 Uhr: Kleine Küchenpause zum Kartoffeln schälen fürs Essen heute Abend. Außerdem kurze Unterhaltung mit dem Ehemann darüber, was in den Fun and Games in der ersten Hälfte von Akt 2 passieren könnte. Akt 1 habe ich übrigens inzwischen fertig.



Gegen 15 Uhr: Bin mit lauter Ideen wieder am Schreibtisch. Ich liebe es, wenn mein Mann etwas vorschlägt, von dem er ohnehin denkt, dass es mir nicht gefällt und damit direkt eine ganze Ideen-Kaskade in mir auslöst.

Gegen 17:30 Uhr: Mir fehlt der Part ab Mitte zweiter Hälfte 2. Akt bis Mitte 3. Akt. Aber ich bin unheimlich zufrieden und beende meinen Autorentag damit. Ich habe eine Antagonistin, ich habe Aussicht auf Band 2 und eventuell Band 3. Denn der Part, mit dem ich ursprünglich angefangen habe, würde jetzt zu gut, als Anfang von Band 2 passen (vielleicht auch Band 3, aber dann hätten wir einen sehr langsamen Slowburn-Trope (also eine sich langsam entwickelnde Romanze), was eigentlich auch nicht geplant war. Aber gut, wir überdenken das, ich und mein unsteter Geist.) Außerdem habe ich etliche Hintergründe, weitere, größere Antagonisten, die im Hintergrund die Fäden ziehen und eventuell sogar einen Sidekick.

Ich bin sehr angetan von der Entwicklung bis hierhin und kann mir nun alles sehr gut vorstellen. Kommende Woche werde ich nicht sofort weiter daran arbeiten können, weil es an der Zeit ist, das eingearbeitete Lektorat für Buch 3 meiner Grünwunderlandreihe in einem Rutsch durchzulesen. Aber ich würde gern Ende kommender Woche den Plot fertig bekommen. Sollte es klappen, vermelde ich dies hoffentlich stolz in meinem Monatsrückblick.

Es fühlt sich viel kürzer an, als der letzte Autoren-Alltag, dabei war ich den ganzen Tag lang in Gedanken konsequent bei dieser Geschichte und habe effektiv irgendwas zwischen sechs und sieben Stunden am Schreibtisch verbracht. Zwar habe ich nicht den gesamten Plot zusammen bekommen, aber mein Kopf arbeitet hoffentlich bis zur nächsten Gelegenheit weiter an den noch offenen Fragen.

Illa

Ich bin Autorin für Romance und Romantasy, Illustratorin und bekennendes Landei!

Schreibe einen Kommentar