Was ist Young Adult – Romance

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In die Übersicht der Romance-Genres gehört ganz klar auch das Thema YA-Romance. Wo liegt der definierte Rahmen für dieses Genre? Für welches Alter ist das Genre gedacht und welche wiederkehrenden Themen gibt es? Young Adult ist mehr als nur eine Aufzählung erster Male und geht viel tiefer als der Begriff Teenager. YA ist eine Welt aus heftigen Gefühlen und knalligen Farben, aus Erkenntnissen, die schmerzen und lehrreich sind und vor allem – und darum dreht sich dieser Artikel ja hauptsächlich: Wer bin ich, wenn ich liebe?

Grunddefinition Young adult

Young adult bedeutet wörtlich übersetzt „junge Erwachsene“. Der Genrename wurde in Hinsicht auf die Zielgruppe gewählt, nämlich junge Menschen zwischen (je nach Definition) 12/13 bis 18 Jahren. Demnach Jugendliche, die sich zu erwachsenen Menschen entwickeln, ihre Pubertät durchlaufen und die chaotischste, aber auch intensivste Zeit ihres Lebens erleben.

Der Begriff hat sich für die Zielgruppe zwischen Kinderliteratur und Erwachsenenliteratur gebildet und hat mehr einen organisatorischen Hintergrund. Es geht hauptsächlich um die praktische Einstufung der Literatur für Sortierungen in Institutionen, in denen es viele Bücher gibt – wie Bibliotheken und Buchhandlungen. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hat man vermehrt darauf geachtet, dass die Gruppe zwischen Kinderbuchlesern und den Lesern von Erwachsenenliteratur ebenfalls Romanempfehlungen erhielt. Es wurde die Alterskategorie von 12 bis 18 Jahren geschaffen; denn die Gruppe bis 12 Jahren galt es Kinderbuchleser und die ab 18 als Erwachsene. Heute ist YA längst kein reines Marketing-Label mehr, sondern ein eigenes literarisches Genre.

Rebellion gegen starre Regeln

Young Adult Romane zeichnen sich durch eine Reihe von Konflikten in der direkten Umgebung des Protagonisten aus: Eltern, Geschwister, nahe Verwandte, Freunde oder andere gleichaltrige Bekannte, die sich in direkter räumlicher Nähe der Heldenfigur aufhalten. All diese Personen stehen in unterschiedlichen Verhältnissen zu den Protagonisten von YA und haben unterschiedliche Konflikte mit ihnen.

Beispiele:

  • Der Neid: Eine Protagonistin hasst das Mädchen von gegenüber, weil es eine beliebte Einser-Schülerin ist, und sie weiß, dass ihre Eltern sich wünschten, sie wäre ein wenig mehr wie jenes Mädchen.
  • Die Überwachung: Der petzende Junge von nebenan, der es sich zum Sport gemacht hat, die Protagonistin immer dann zu erwischen, wenn sie etwas Verbotenes tut.
  • Die starren Regeln: Der Sportlehrer in der Schule, der die selbst geschriebenen Entschuldigungen der Romanheldin, mit der gefälschten Unterschrift ihrer Mutter nicht akzeptieren will.
  • Das Familiendrama: Die kleine Halbschwester, der immer alles verziehen wird; die Mutter, die so ausgebrannt ist, dass sie wegen jeder Kleinigkeit das Heulen kriegt; der Vater, der ihre Sorgen gar nicht hört, weil er das Fußballspiel auf dem Großbildfernseher verfolgt.

Teenager leben in einer konfliktreichen Welt, weil sie pubertieren und ihr Ego im Vordergrund steht. Nicht, weil sie das so wollen, sondern weil es biologisch und emotional so ist. Niemand versteht sie, sie verstehen niemanden – aber genau das wünschen sie sich insgeheim.

Teenager laufen mit vielen Fragen im Bauch durch das Leben. Vor allem, wenn die Familienverhältnisse wackeln und ihnen keine Stabilität geboten wird, fragen sie sich immer wieder: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Was sind das für merkwürdige Gefühle? Warum hat die niemand außer mir? Warum bin ich anders als Andere? Ist das schlimm? Die Beantwortung dieser Fragen ist für die Protagonisten eine Heldenreise durch ein Geflecht von widersprüchlichen Gefühlen und Verhaltensweisen. Sie müssen ihren Weg durch einen Dschungel von unreflektierten Äußerungen finden, in einer Phase, in der sie sich noch nicht selbst gefunden haben – denn wie viele Teenager agieren denn bitteschön mit stabilen Erwachsenen?

Auf Taten hagelt es Konsequenzen

Jugendliche in dieser Altersspanne haben die ersten intensiven Erlebnisse mit Schuld: Die Erkenntnis, dass eine Entscheidung für mich, negative Konsequenzen für andere hat. Darauf folgt umgehend die nächste Erkenntnis: Welche Sorte Mensch bin ich? Diejenige, die dies in Kauf nimmt oder die, die nach anderen Wegen sucht? Vielleicht bin ich auch die Person, die verharrt oder die, die sich verbiegt.

Bestandteil von Romanen für Teens ist der Umgang mit tiefen überwältigenden Gefühlen: Hass, Eifersucht, Scham. Wo führen uns diese Gefühle hin? Was geschieht mit uns, wenn wir sie nicht bändigen? Wie fühlt es sich an, verletzt zu werden oder zu verletzen. Was entsteht in mir, wenn ich diese Dinge tue? Kann ich mit mir leben, wenn ich diese Emotionen in dieser Tiefe fühle, wenn ich verletzt werde, wenn ich verletze. Werden wir Verlierer oder Gewinner – gibt es in dieser Hinsicht überhaupt ein Gewinnen oder Verlieren? Ein klares Richtig oder Falsch?

In der Erwachsenenliteratur wirken die Fronten viel geklärter. Meist sind sie das auch. Young Adult hingegen ist ein emotionales Mienenfeld und das macht die Geschichten so packend und nah.

Verrat, Enttäuschung und der Umgang mit Verlusten

Wie gehen wir mit Verlust um: Was fühlen die anderen dabei und unterscheidet es sich von meiner Wahrnehmung? Wie mache ich weiter, wenn ich jemanden verliere, der mir wichtig war oder der wichtig für mich war? Und wo liegt da eigentlich der Unterschied?

Ist Verlust gleich Verlust? Es ist nicht immer der Tod, der uns trennt. Der Tod ist endgültig und hat seine eigene Form von überwältigender Präsenz. Aber Freundschaften, die sich auflösen, weil ich einen Fehler gemacht habe, sind auch sehr schmerzhaft und brennen sich in die Seele.

Neben dem Verlust ist auch Verrat eine brandmarkende Erfahrung und bestimmt den Lebensweg von Heranwachsenden. Das kann die schmerzhafte Demontage von Vorbildern sein, wenn Kinder von ihren Eltern verraten oder heftig enttäuscht werden. Grund hierfür können gebrochene Versprechen, Scheidungen oder die schlichte Unfähigkeit, den eigenen Nachwuchs wirklich wahrnehmen zu können sein. Noch tiefere Verletzungen im Eltern-Kind-Gefüge sind natürlich möglich.

Aber Jugendliche verraten sich auch untereinander. Vom Weitererzählen eines intimen Geheimnisses bis hin zum Verrat durch die beste Freundin für eine steigende Beliebtheit auf dem Schulhof – sie wiegen so schwer wie ein existenzielles Beben. Vor allem in diesem Alter.

Jeden Teenager trifft irgendwann die entwurzelnde Erkenntnis:

Die Welt dreht sich ohne mich weiter – ich bin nicht mehr wichtig genug, dass jemand für mich stehen bleibt, je älter ich werde. Der Druck von außen steigt, eigenverantwortlich zu handeln. Diesen schockierenden Übergang könnte man als den emotionalen Kern von YA sehen. Während man als Kind noch der Mittelpunkt des persönlichen familiären Universums war, wird man im Jugendalter von der Realität eingeholt: Man soll jetzt bitteschön seinen Platz in der Gesellschaft finden. Eine Gesellschaft, die im Übrigen gar nicht auf einen gewartet hat.

Hiermit ist auch das mitunter widersprüchliche Bedürfnis eng verknüpft, sich von den Eltern ablösen zu wollen. Eigentlich will man den familiären Schutzraum nicht missen, aber irgendwie steht er auch im Weg, bei dem, was erfahren werden will. Selten vollzieht sich dieser Abnabelungsprozess vollkommen still. Meist ist es ein Drahtseilakt, in dem die Erwachsenen oft genauso überfordert sind, wie ihre Kinder. Kein Wunder, wenn eine Identität gebildet werden will, und die Erwachsenen irgendwie immer reingrätschen.

Nicht zu vergessen die wichtigen Fälle, in denen eine emotionale Abgrenzung stattfinden muss.

Hier geraten wir jetzt auch in den Grenzbereich zum benachbarten Genre New Adult (NA): Während es im YA noch um Erkenntnisse über die eigene Entwicklung und der Beschaffung der Welt geht, sind die Protagonisten des NA längst weiter: Es geht um die Phase nach der Schule: um WGs, Unis, Ausbildung und das endgültige Lösen vom Elternhaus.

Young Adult kann zwar inhaltlich in alle erdenklichen Richtungen explodieren (düstere Dystopien bis hin zu magischer Fantasy), aber der Kern bleibt gleich und der zeichnet sich vor allem durch handwerkliche Merkmale aus:

Pacing, Perspektiven, Tropes und Alter

Diese Zielgruppe wird am besten abgeholt durch Protagonisten, die das gleiche Alter und die gleichen Probleme haben, sich einer für Jugendliche bekannte Sprache bedienen und eine entsprechende Perspektive wählen.

Da Jugendliche im Extremen fühlen, spiegelt sich diese Tatsache in Plot und Rhythmus wieder. Das Pacing (die Erzählgeschwindigkeit) treibt die Handlung durch bildhafte Dialoge mit kraftvoller Sprache, innere Monologe und rasche Ereignisse voran.

Die Ich-Perspektive wird ganz gern gewählt, im Präsens oder im Imperfekt. Diese Perspektive erzeugt die maximale Nähe und lässt den wissensdurstigen Leser beinahe direkt an der Handlung teilhaben. Wir sitzen fast im Kopf der Romanhelden, fühlen Scham, Zorn und erste zarte Gefühle. Eine Bewertung durch einen allwissenden Erzähler bleibt aus.

Typische Tropes im YA

(Keine endgültige Liste, nur Beispiele)

Klassische Motive, die universelle Teenäger-Ängste transportieren:

  • The Chosen One (Der / Die Auserwählte): Der Leser fühlt sich bestätigt in der Wahrnehmung eine Last tragen zu müssen, die eigentlich zu groß für einen ist.
  • Us against the World (Wir gegen den Rest der Welt): Wir fühlen hier das tiefe Bedürfnis, jemanden zu finden, der genauso fühlt wie wir, wenn es den Anschein hat, dass wir nicht verstanden werden und die Erwachsenenwelt sich (scheinbar) gegen uns wendet.
  • Enemies to Lovers (Feinde zu Liebenden): Es ist der perfekte Trope für die YA-Grauzone, in dem sich aus anfänglicher Abgrenzung ein Entstehen entwickelt und intensive emotionale Reibung (Streit, Diskussionen) plötzlich eine Anziehung erwirkt.

Coming of Age

Kommen wir zum Thema Coming of Age: Dies ist eine eigene Kategorie im Young Adult. Es hat ein ganz festes Handlungsmuster, in dem es um einen naiven Charakter geht, der in eine Krise gerät, eine Erkenntnis hat und dadurch Reife erlang. Coming of Age befasst sich ganz bewusst mit der Charakterentwicklung und lässt die äußere Handlung verblassen. Das Coming-of-Age-Muster funktioniert nicht nur in einem einzigen Szenario – es lässt sich in allen Genres anwenden: Fantasy, Drama, Horror…

Wo liegen die Abgrenzungen von YA?

Auf der einen Seite haben wir die unbefangene Kinderbuch-Kategorie, die sich mit dem Einstieg in das Schulleben befasst. Auf der anderen Seiten stoßen wir an das Thema New Adult an. Im NA, beschäftigen wir und mit den ersten existenziellen Fragen nach einer Wohnung, Geld, um ein Leben zu bestreiten, das außerhalb des Elternhauses stattfindet, erste Aufstiegsmöglichkeiten im Job.

YA-Romance

Hier ist nun endlich das Thema, über das dieser Artikel eigentlich handeln sollte. Aber es fühlte sich so an, als müssten zuvor einige Dinge gesagt werden, da sich das YA-Genre so unglaublich groß, tief und facettenreich anfühlt.

In der YA-Romance geht es also logischerweise um die ersten Erfahrungen in der Liebe und alles, was diese komplexe, wunderschöne und manchmal schmerzhafte Thematik mit einschließt. Es geht um den ersten ernsthaften Kuss und die ersten heftigen leidenschaftlichen Gefühle, die einen wie eine Welle überrollen. Plötzlich steht die existenzielle Frage im Raum: Werden meine Gefühle erwidert? Und wie verdammt nochmal gehe ich damit um, wenn die Frage ja lautet – oder eben nein?

Die erste Liebe existiert im YA-Roman selten im luftleeren Raum: Sie prallt mitten in den stressigen Teenie-Alltag. Wie fühlt es sich an eine Romanze mitten in einer Klassengemeinschaft zu durchleben, in der jeder alles sieht und kommentiert? Wer bin ich, wenn ich eine Liebesbeziehung zum heißesten Typen der Schule habe und wie fühle ich mich, wenn ich nicht diese Person bin, aber beobachten muss, wie mein Schwarm von einer anderen erobert wird (die ich nicht ausstehen kann)? Wie gehe ich mit dieser schmerzhaften Eifersucht um?

Wie ändert sich das Leben, wenn einer der Beziehungspartner die Schule verlässt, um eine Ausbildung zu beginnen? Vielleicht sogar in einer anderen Stadt? Oder bei dem sich die Eltern trennen und durch die Trennung ein Schulwechsel erzwungen wird. Wo finden sie ihren Weg und: Finden sie ihn überhaupt?

Ganz wesentlich und sehr sensibel in diesem Genre ist zudem das Erkunden der eigenen Sexualität. Die Figuren tasten sich vorsichtig voran: Welche Berührungen wünsche ich mir? Welche sind für mich ein absolutes Tabu? Und von welchem Geschlecht fühle ich mich tief im Inneren angezogen?

Diese Reise birgt mitunter eine lebensverändernde Erkenntnis: Meine Liebe ist vorbei, obwohl ich fest davon ausging, dass sie ewig hält. Oder vielleicht ist es auch eine andere Erfahrung, zum Beispiel: Diese Liebe lasse ich nie wieder los.

Die gesamte oben erklärte inhaltliche Kategorienabgrenzung kann getrennt oder kombiniert mit der YA-Romance stattfinden. Außerdem finden die Geschichten des Genres mal am unteren Ende der Altersdefinition statt, mal am oberen oder mittendrin – und hin und wieder verschwimmen auch die Grenzen zwischen YA und Kinderbuchliteratur oder zwischen YA und NA fließend.

Das war eine lange Textreise bis hierhin. Hoffentlich konntest du finden, wonach du gesucht hast.

Dem Thema Romance-Genres habe ich eine größere Artikelserie gewidmet. Du findest die Übersicht hier und kannst in aller Ruhe weiter stöbern.

Illa

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