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Autorinnenalltag: Edition Manuskript-Tag

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Ich hatte diese Woche endlich wieder Zeit für einen Manuskript-Tag. Der Plan war um die fünftausend Wörter in das Manuskript zu manövireren, um dann in die Nähe des Showdowns zu kommen. Als ich Datei jedoch öffnete und die letzten Passagen durchging, merkte ich schnell: Durch das nicht kontinuierliche Schreiben habe ich etliche Kleinigkeiten aus den Augen verloren:

  • Haben sie das Pferd nun in der Befreiungsszene benutzt und steht es zu Hause im Stall oder ist es in der Stadt zurückgeblieben?
  • Warum hatte ich den Sidekick eigentlich unterwegs aus den Augen verloren und wieso hat der immer noch keinen Namen und sollte der für den Showdown eine Rolle spielen?
  • Was hat Adair vor vier Kapiteln nochmal zu Edana gesagt, das war doch wichtig oder? usw.

Das ist immer der Moment, in dem bei mir nur noch eins hilft: Einmal von vorne durchlesen. „Anlaufnehmen“ nennen ich und mein Schreibbuddy das. Anlaufnehmen, alles in einem Rutsch lesen, den Fahrtwind nutzen und so weit wie möglich weiter kommen. Das Lesen hat dieses Mal recht lange gedauert. Ich bin in meiner Manuskript-Zeit, die mir eigentlich heilig ist, immer wieder rausgerissen worden. Aber heute habe ich nur vierzig A4-Seiten vor mir.
Ob mir diese Strategie heute gelingt?

Sonnenaufgang und müde…

6:10 Uhr: Wir starten heute langsam und entspannt – ich und mein leerer Kaffeebecher. Nämlich genau aus dem Grund: Keine Mandelmilch. Kein Kaffee. Hachja. So ein Morgen kann ja unglaublich zäh sein. Wenigstens sieht der Sonnenaufgang schön aus.

7 Uhr: Der Stream läuft seit einer guten Stunde. Ich habe die organisatorischen Dinge abgehakt und lese den Rest des Manuskriptes. Ich gebe mir noch heute, um mich auf den aktuellen Stand zu lesen. Wenn ich dann nicht durchkomme, muss ich diese Arbeit um ein oder zwei Tage verschieben. Allmählich drängen sich andere To-Dos wieder in den Vordergrund.

Kaffee und Textarbeit, jetzt fühlt sich der Morgen „richtig“ an.

8:15 Uhr: Mein Mann hat den Kleinen zur Schule gebracht und auf dem Rückweg die heißersehnte Mandelmilch mitgebracht. Endlich gibt es Kaffee!

10:45 Uhr: Ich habe das Manuskript endlich durchgelesen. Die gute Nachricht: Es liest sich an fast allen Stellen flüssig. Einige Ungereimtheiten werde ich noch ausbügeln müssen. Vor allem habe ich dem Sidekick endlich einen Namen verpassen können – hat ja nur fünf Monate gedauert, bis mir einer eingefallen ist. Der Vater der Protagonistin ist zwar immer noch namenlos, aber der spielte ja in diesem Buch auch eine untergeordnete Rolle. Der kann noch ein Weilchen warten. Aber auch nicht zu lange. Mit dem Namen rollt bei mir meist der gesamte Charakter heran, mit seinem Hintergrund und seinen Beweggründen. Was bedeutet: Vor der letzten Überarbeitungsphase möchte ich dieses wertvolle Wissen kennen, damit relevante Eigenschaften direkt mit in der Geschichte landen. Die schlechte Nachricht: Möglicherweise ist das Manuskript stellenweise ein wenig langweilig. Darüber muss ich mir nebenbei in den kommenden Wochen noch Gedanken machen.

12:30 Uhr: Die ersten 1500 Wörter sind für heute ins Manuskript getippt. Ich habe mich an einer Übergangsstelle etwas schwergetan. Es hat einen unerwarteten Wendepunkt für die Protagonistin gegeben: Diese Szene hatte ich mir schon tagelang ausgemalt und wusste genau, was passieren sollte, aber es dann umzusetzen, hat sich gar nicht leicht angefühlt. Was sie gesehen hat, hat sie sehr erschüttert. Das zu schildern war heute nicht leicht.

Mein Sohn hat mir Kekse für die nächste Runde gebracht.

15:34 Uhr: Der Kleine ist inzwischen wieder zu Hause. Wir haben unsere obligatorische Pause mit Mittagessen, Leserunde und Vokabelnlernen hinter uns gebracht, ich habe das Abendessen vorbereitet und es geht nun zurück an den Schreibtisch.

Abendstund hat Gold im Mund und einen heftigen Schreib-Flow!

17:15 Uhr: Da hat es mich doch tatsächlich in den Schreibfluss verschlagen. Ich hatte gar nicht vor, so viel zu schreiben. Doch die unerwartete Wendung hat erfreulicherweise ein Ereignis nach dem Anderen ausgelöst und es fügt sich Wort an Wort. Ich hatte mir für heute kein zeitliches Limit und auch kein Wortziel gesetzt. Vorsichtshalber halte ich Rücksprache mit meinem Mann, da wir eigentlich noch den Wocheneinkauf erledigen wollten, wenn er nach Hause kommt. Der Große meldet sich und sagt, er spring für mich ein und mein Mann und ich gehen kurz gemeinsam die Einkaufsliste durch. Anschließend kann ich Open end weiter schreiben.

18:55 Uhr: Es klackert immer noch auf meiner Tastatur. Die Familie hat die Einkäufe verstaut, ich habe mir kurz einen Teller Essen organisiert und tippe weiter und weiter. Draußen wird der Himmel grau. Es wird Zeit für ein bisschen Gemütlichkeit, also: Kerzen an.

Es läuft gerade so gut und wenn ich in den Pausen aus dem Fenster sehe, belohnt mich der Himmel mit diesem Sonnenuntergang!

20:00 Uhr: Das ist es. Ich bin im Showdown. Wie schnell es immer wieder gehen kann. Manchmal sind die Schreibtage so. Oft genug sind sie ganz anders. Aber heute nehme ich den Fahrtwind mit. Papyrus (mein Schreibprogramm) sagt mir, ich müsste heute 7754 Wörter schreiben. Dieser Wert hat allerdings keine konkrete Aussage: Er war für ein Schreibziel Ende Mai festgesetzt, von dem ich nun mit Sicherheit weiß, dass ich es nicht mehr einhalten werde können. Aber jetzt bin ich so tief im Geschehen, dass mich diese Zahl lockt. Schaffe ich es heute noch, sie zu erreichen?

Der grüne Balken ist voll. Ich hab es geschafft den Wordcount heute voll zu machen. Ganz unerwartet.

22:24 Uhr: Ich beende die aktuelle Szene mit 7788 Wörtern für heute. Es fühlt sich gut an für eine Rohfassung. Logisch, dass kein geschliffener Roman entstanden ist, und da sind viele Details, die ich nachträglich noch ergänzen muss. Allerdings hab ich mich in den Anfang des Showdowns geschrieben. Die erste Etappe sozusagen. Verzweiflung und Drama warten noch auf mich. Und Blut und Hass. Doch erstmal ist Luft für ein wenig Nachdenken, einen in den vorbereiteten Plot und alle Notizen, die ich mir für das Ende schon gemacht hatte. Aber das ganz in Ruhe. Aber jetzt, PC aus. Und schlafen.

Es ist eine Wohltat diesen Schreibtag erlebt zu haben. Die meiste Zeit war das Schreiben an diesem Projekt ein mentales Tauziehen: Immer nur ein bis zweitausend Wörter, zwischen den Schreibphasen immer wieder diese langen Phasen, in denen ich keine Zeit zum Schreiben fand. Dadurch das lange Lesen jedes Mal vor einer Schreibphase. Und das Wissen um diese Lücke, die entstand, die Wissenslücke über die eigene Geschichte, weil ich schon so lange an ihr schrieb. Es hat mich so viel Zeit gekostet, Edana und Adair an diesem speziellen Punkt zu haben, an dem ich mit ihnen Zeit verbringen wollte. Aber dieser Punkt ist nun da, und das bedeutet, dass die Arbeit mit ihnen leichter wird. Zukünftig kann ich mich schneller einarbeiten, weil ich sie nun kenne und weiß, wie sie miteinander umgehen.

Ich freue mich darüber, dass du mich durch meinen Schreibtag begleitet hast.

Ich freue mich, dass du hier warst. Hab einen wundervollen Tag voller besonderer Momente. ☕ Wir sehen uns…

Illa 🧡

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